Mesosphärische Radarechos in polaren und mittleren Breiten
Einfluss von Gezeiten und Schwerewellen auf die Schichtenbildung in der sommerlichen polaren Mesosphäre
Polare mesosphärische Sommerechos (PMSE) werden vom IAP in Andenes (69°N; 16°E) mit VHF-Radar-Beobachtungen seit 1994 intensiv untersucht. Ein besonderes Merkmal dieses Phänomens, das an die Existenz extrem niedriger Temperaturen < 150K gekoppelt ist, besteht darin, dass diese unerwartet starken Radarechos oft in Form von Mehrfachschichten auftreten, deren Bildung durch kurz- und langperiodische Schwerewellen und Gezeiten beeinflusst wird.
Die Bildung dieser Mehrfachschichten kann mit Hilfe eines am IAP entwickelten mikrophysikalischen Modells zur Eisteilchenbildung (Rapp et al. 2003) erklärt werden, wenn Temperatur und Wind durch eine idealisierte langperiodische Schwerewelle gestört werden. Dieses Ergebnis sowie die experimentelle Bestätigung durch Windmessungen mit dem VHF- und MF-Radaranlagen des IAP werden im Detail in Hoffmann et al. (2005) beschrieben.
Zur Untersuchung der Wirkung von Gezeiten auf die Schichtenbildung wurde die Modellierung unter dem Einfluss einer halbtägigen Gezeitenwelle (Abb.1a) durchgeführt. Die Modellsimulation (Abb. 1b) führte zu starken PMSE mit 12 stündigen Variationen und zum gleichzeitigen Auftreten von leuchtenden Nachtwolken (NLC) an der unteren Kante der PMSE-Schicht. Zur Überprüfung dieser Simulation mit realen Daten wurde aus Beobachtungen mit dem MF-Radar Andenes eine Periode mit erhöhter Gezeitenaktivität ausgewählt, in der Amplituden >30m/s in der halbtägigen Gezeit der meridionalen Windkomponente am 4.08.2000 auftraten (Abb. 2, links). Die während dieser Periode mit dem ALWIN-VHF Radar beobachteten PMSE-Strukturen (Abb. 2, rechts) und die mit dem ALOMAR-RMR Lidar beobachteten NLC an der unteren Kante der PMSE-Schicht sind in guter Übereinstimmung mit dem modellierten PMSE/NLC-Verhalten. Weitere Untersuchungen zu dieser Thematik sind in Rapp et al. (2002) und in Hoffmann et al. (2007) beschrieben.

