Das RMR-Lidar in Kühlungsborn

Das Rayleigh-Mie-Raman-Lidar (RMR-Lidar) des IAP ist ein Mehrwellenlängenlidar, das zur Messung von Temperaturen und Aerosolparametern in der Atmosphäre benutzt wird. Das erste RMR-Lidar war von 1997 bis 2013 in Betrieb und hat die folgenden Parameter gemessen:

  • Temperaturen von 1 bis ca. 90 km Höhe bei Nacht
  • Nachtleuchtende Wolken (NLC) bei Nacht
  • Troposphärische und stratosphärische Aerosole bei Tag und Nacht

Seit 2010 ist das zweite RMR-Lidar routinemäßig bei wolkenfreiem Himmel in Betrieb. Dieses Lidar ist für Messungen bei Tag optimiert und misst folgende Parameter:

  • Temperaturen von 40 bis 90 km Höhe bei Nacht und bis 75 km Höhe bei Tag
  • NLC bei Tag und Nacht
  • Stratosphärische Aerosole bis ca. 40 km Höhe bei Nacht

Insbesondere die Temperatur- und NLC-Messungen sind weltweit herausragend und werden außer am IAP in dieser Qualität nur noch mit dem ALOMAR-RMR-Lidar durchgeführt. Die wesentlichen Eigenschaften dieses Lidars werden im Folgenden beschrieben. Das Prinzip der Temperaturmessungen mit Rayleigh-Lidars ist hier erklärt.

Der Sendezweig

Der Sendezweig besteht aus einem injection-seeded Nd:YAG-Laser mit einer Wiederholrate von 30 Hz und ca. 600 mJ Pulsenergie bei 532 nm. Der Seedlaser ist kontinuierlich auf eine Jod-Absorptionslinie stabilisiert. Die Wellenlängendrift des gepulsten Lasers ist damit auch über lange Zeit viel kleiner als 0,1 pm. Zur Reduktion der Strahldivergenz auf ca. 50 μrad durchläuft der Laserstrahl ein 10-fach Aufweitungsteleskop, bevor er über mehrere Spiegel in die Atmosphäre gelenkt wird. Hinter dem Aufweitungsteleskop beträgt der Strahldurchmesser ca. 10 cm. Einer der Umlenkspiegel ist mit einer extrem schnellen und feinen Piezo-Verstellung versehen, die eine effektive Stabilisierung des Strahls am Himmel ermöglicht. Die Strahlstabilisierung ist notwendig, da das Gesichtsfeld des Empfangsteleskops (siehe unten) einen Durchmesser von nur ca. 60 μrad (ca. 0.003°) hat. Turbulenz in den verschiedenen Luftschichten sowie die thermische Drift der Spiegel verursachen eine ständige Verschiebung zwischen der Strahlachse und der Teleskopachse. Ohne Strahlstabilisierung wäre bereits nach wenigen Minuten kein Überlapp zwischen Laserstrahl und Teleskopgesichtsfeld mehr gegeben. Für die Strahlstabilisierung wird die Strahllage für jeden Laserpuls durch eine CCD-Kamera im Empfangsteleskop gemessen. Die Abweichung der Strahllage von der Sollposition wird innerhalb weniger tausendstel Sekunden ausgeglichen, d.h. noch vor dem nächsten Laserpuls.

Der Nachweiszweig

Der Nachweiszweig des RMR-Lidars besteht aus einem 80-cm-Newton-Teleskop mit ca. 3,2 m Brennweite, das gleichzeitig zur Detektion (90% der Rückstreuung) und zur Strahlstabilisierung (10%) dient. Im eigentlichen Detektionszweig begrenzt eine 0,2-mm-Quarzfaser das Gesichtstfeld auf ca. 60 μrad. Aufgrund dieses kleinen Gesichtsfelds kann nur wenig unerwünschte Himmelsstrahlung in den Detektionszweig gelangen, was eine der Voraussetzungen für Messungen bei Tag darstellt.

Das Licht aus der Glasfaser wird kollimiert und durchläuft anschließend mehrere optische Filter. Diese dienen der weiteren Unterdrückung des Tageslichts. Die optischen Filter bestehen aus

  • einem Interferenzfilter mit 130 pm spektraler Breite,
  • einem Fabry-Perot-Etalon mit ca. 4 pm spektraler Breite und
  • einem Fabry-Perot-Etalon mit ca. 4,5 pm spektraler Breite.

Durch die Kombination von Gesichtsfeld und spektralen Filtern wird die Himmelsstrahlung auf etwa 1:10000  reduziert. Dies ermöglicht Temperaturmessungen bis ca. 75 km Höhe und die Detektion auch schwacher NLC bei Tag.

Das Kühlungsborner RMR-Lidar ist weitgehend automatisiert, jedoch ist während der Messungen schon aus Sicherheitsgründen jederzeit ein Mitarbeiter vor Ort. Vielfach werden die Lidarmessungen von angelernten Studenten durchgeführt. Auf diese Weise sind wetterabhängig 1200-1500 Messstunden pro Jahr möglich.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • M. Gerding, J. Höffner, M. Kopp, R. Eixmann und F.-J. Lübken, Mesospheric temperature and aerosol soundings during day and night: Spectral and spatial filtering techniques, 67-70, in Reviewed and revised papers at the 25th International Laser Radar Conference, St. Petersburg, Russia, 2010, 2010.
  • M. Gerding, G. Baumgarten, J. Höffner, J. Fiedler, R. Eixmann und F.-J. Lübken, Temperature and aerosol soundings in the middle atmosphere at different mid and high-latitude Lidar stations during day and night, in Remote Sensing of Clouds and the Atmosphere XIV, R. H. Picard (Ed.), Proc. SPIE, Vol. 7475 (SPIE, Bellingham, WA), 74750A-1-74750A-12, 2009.

Ansprechpartner

Dr. Michael Gerding

Übersicht Messungen

Einen Kalender mit den verfügbaren Messzeiten finden Sie hier.

RMR-Lidar Kühlungsborn

Das Institutsgebäude mit Laserstrahlen des neuen und alten RMR-Lidars

Nachweiszweig

Der Nachweiszweig des neuen RMR-Lidars