Nachrichten

02.01.2023 , Nachrichten

Neuer Laser eingetroffen

Das Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik hat einen neuen Laser: Das Gerät "InnoLas Spitlight EVO IV" von der Firma InnoLas Laser GmbH ist im Dezember am Institut eingetroffen. Deutlich kleiner als der aktuelle Laser, hat er rund dreimal so viel Leistung und verbraucht gleichzeitig weniger Strom. Damit wird eine deutlich bessere spektrale Qualität erreicht. Mittelfristig soll mit dem Laser der Vertikalwind in Schwerewellen in der Mesosphäre gemessen werden. Ab nächstem Frühjahr wird er den etwa 13 Jahre alten Laser ersetzen, der am Tag Temperatur und Leuchtende Nachtwolken misst. Ansprechpartner: Dr. Gerd Baumgarten

02.01.2023 , Nachrichten

Antrittsvorlesung: Wie hoch reicht die Atmosphäre?

Wetterberichte, Klimamodelle oder Raketenstarts – sie alle benötigen präzise Daten aus der Atmosphäre. Die Erforschung der unterschiedlichen Atmosphärenschichten gewinnt daher mehr und mehr an Bedeutung. Doch wie hoch reicht die Atmosphäre eigentlich? Mit dieser und weiteren Fragen beschäftigt sich die Direktorin des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik, Prof. Dr. Claudia Stolle. Am 5. Januar hält sie an der Universität Rostock ihre Antrittsvorlesung und erklärt anschaulich, was die Forschung an der Grenze zum Weltraum besonders macht. So entwickelt die mittlere und hohe Atmosphäre beispielsweise ein eigenes Wetter, das deutliche Auswirkungen auf das Wetter auf der Erde hat – und andersherum. „Gerade in einer Zeit der wachsenden kommerziellen Nutzung des Weltraumes durch Satelliten müssen wir die Verbindung zwischen Atmosphäre und Weltraum besser verstehen lernen“, so die Expertin. Die Vorlesung ist öffentlich und startet um 17 Uhr am Institut für Physik. Die Veranstaltung kann per Zoom verfolgt werden. Termin: 5. Januar ab 17 Uhr, Universität Rostock, Hörsaal 1, Albert-Einstein-Str. 24 Stream über Zoom: Meeting ID: 698 7035 5033, Passcode: 165290

06.12.2022 , Nachrichten

EU-Förderung: Kühlungsborner Forschende entwickeln Mini-Lidar für Einsatz im Schnee

Wie lässt sich die Atmosphäre an den entlegenen Orten der Welt vermessen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Abteilung Optische Sondierung des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) in Kühlungsborn. Die Forschenden beteiligen sich damit an einem internationalen Projekt, das mit Mitteln aus dem Programm Horizon Europe der Europäischen Union gefördert wird. Ein erstes Instrument, das Antworten liefern soll, wird jetzt an der Ostsee gebaut. EULIAA (European Lidar Array for Atmospheric Climate Monitoring) heißt das Programm, bei dem das Institut mitwirkt und mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie in ganz Europa zusammenarbeitet. „Wetterservices haben festgestellt, dass es eine Lücke in der Messkette gibt“, erklärt Dr. Gerd Baumgarten, Wissenschaftler und kommissarischer Abteilungsleiter am IAP. „Im Bereich zwischen zehn und 50 Kilometern Höhe gibt es kaum Daten. Dafür wollen wir eine Lösung finden.“ Unterstützung bekommt das Kühlungsborner Institut aus Aachen: In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik arbeiten die Forschenden an einem neuen Laser, der erstmals in einem kompakten Lidar-Gerät Temperatur und Wind an schwer zugänglichen Orten messen kann. Am Institut in Kühlungsborn messen Laser seit Jahrzehnten rund um die Uhr verschiedene Parameter. Der Nachteil: Sie sind fest installiert und können kaum transportiert werden. „Vom Einsatz in anderen Klimazonen ganz zu schweigen“, sagt Physiker Dr. Josef Höffner, der bereits in der Antarktis geforscht hat. Selbst das kleinste Modell, das schon Einsätze von Spitzergen in der Arktis bis in die Antarktis bestritten hat, wog mehr als 15 Tonnen. „Die neue Lidar-Technik ist deutlich kleiner und mit 500 Kilogramm ein Leichtgewicht.“ Trotzdem kann sie Schneestürmen standhalten. Dafür ist der Laser gut geschützt im System verbaut. Von dort aus misst er sowohl senkrecht als auch schräg, an Tag und Nacht. „Jedes Wetter ist uns recht“, so Höffner. „Nur durch dichte Wolken kommen wir nicht hindurch.“ Um aussagekräftige Messdaten zu erfassen, vernetzt sich das Institut international. So sollen die kompakten Laser unter anderem in Norwegen und Frankreich eingesetzt werden. Auf den Kanaren messen sie in 3.000, in der Schweiz in 3.400 Metern Höhe. Die Daten werden am Ende so aufbereitet, dass Wetterdienste sie nutzen können. Aktuell befindet sich das Gerät in der Testphase. Wissenschaftler Gerd Baumgarten blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir planen, langfristig bis zu 100 dieser Lidare in Europa zu verteilen. Das würde uns dabei helfen, den Klimawandel in empfindlichen Regionen der Erdatmosphäre zu untersuchen und handfeste Erkenntnisse zu liefern.“ Das Projekt wird mit insgesamt 3,5 Millionen Euro gefördert und ist zunächst auf vier Jahre angelegt.

29.11.2022 , Nachrichten

Konferenzbericht vom Leibniz-Forschungsnetzwerk „Integrierte Erdsystemforschung“

Untersuchungen des Anthropozäns decken die komplexen und dynamischen Wechselwirkungen zwischen der gesellschaftlichen Welt und dem Erdsystem immer weiter auf. Bei einer internationalen Konferenz haben sich jetzt Forschende aus Natur-, Ingenieur-, Sozial- und Geisteswissenschaften gemeinsam der Frage gestellt, wie diese zunehmenden Wirkungen besser verstanden und in Richtung einer globalen Nachhaltigkeit entwickelt werden können. Welche Auswirkungen hat das Handeln der Menschen auf das Erdsystem? Welche Folgen sind mit diesen Auswirkungen für die Gesellschaft verbunden? Und welche Betroffenheit und Handlungsoptionen für die Politik und jeden Einzelnen ergeben sich daraus? Eine Annäherung an diese Fragen war Gegenstand der ersten Konferenz zum Thema „Integrierte Erdsystemforschung“, die im November vom gleichnamigen Leibniz-Forschungsnetzwerk im Wissenschaftspark „Albert Einstein“ in Potsdam ausgerichtet wurde. Der interdisziplinäre Dialog führte zu weitreichenden Schlussfolgerungen: Generell ist die Wissenschaft mit ihrer begründeten Organisation nach Disziplinen auf die Untersuchung solch großer Fragen nicht ausgelegt. Nicht nur zwischen den Natur- und Ingenieurwissenschaften einerseits und den Sozial- und Geisteswissenschaften andererseits gibt es hierfür bisher noch wenige vertiefende Bezüge. Gemeinsame Rahmenkonzepte, die beispielsweise Simulationsmodelle für das Erdsystem in den Kontext der qualitativen Forschung über gesellschaftliche Entscheidungen und Verhalten stellen, fehlen. Dem dringenden Beratungsbedarf von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bezüglich alternativer Entwicklungspfaden und deren Folgen kann insofern zurzeit nur eingeschränkt entsprochen werden. Die Konferenz hat deshalb grundsätzliche Ansatzpunkte für die zukünftige Forschung abgeleitet. Wichtig sind demnach interdisziplinäre Terminologien und Konzepte für integrierte Analysen von natürlichen und gesellschaftlichen Systemen über etliche räumliche Ebenen und Zeithorizonte hinweg. Zudem sollten weitere Grundlagen für die Ableitung von Zielen wie planetare Grenzen und planetare Gerechtigkeit erarbeitet werden. Für das gesellschaftliche Handeln gilt es schließlich, Kapazitäten und Hebel für gesellschaftliche Transformationen zu identifizieren. Thematisch konkrete Bedarfe für eine Integrierte Erdsystemforschung wurden für den Ozean, den Wasserkreislauf und die Binnengewässer, die Biodiversität, die Bioökonomie, Stadt-Land-Beziehungen, Konflikte, Krisen und Sicherheit sowie Daten und Instrumente diskutiert. Mit Blick auf die parallel stattfindende COP27 wurde deutlich, dass vergleichbare Verhandlungsprozesse dringend auch für das Erdsystem insgesamt anzustreben sind. Das Klima und damit auch Klimaschutz und -anpassung stehen in engem Zusammenhang mit anderen Komponenten des Erdsystems wie beispielsweise der biologischen Vielfalt. Die zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit und wachsende Anstrengungen in Bezug auf den Klimawandel belegen, dass international koordinierte und lokal umgesetzte Aktivitäten zur Erhaltung des Erdsystems prinzipiell möglich sind. „Mir ist auf dieser Konferenz erst richtig bewusst geworden, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Klimawandel weit über die Naturwissenschaften hinausgeht“, sagt Dr. Urs Schaefer-Rolffs aus der Abteilung Modellierung atmosphärischer Prozesse am IAP, der an der Veranstaltung teilgenommen hat. „Die Vernetzung mit scheinbar weit entfernten Disziplinen wie Ökonomie oder Archäologie kann sicher einen Beitrag leisten, um die aktuellen Herausforderungen stärker als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu sehen.“ Text: Leibniz-Forschungsnetzwerk „Integrierte Erdsystemforschung“ & IAP Weitere Informationen zur Konferenz gibt es hier. Die Veranstaltung wurde vom Leibniz-Forschungsnetzwerk „Integrierte Erdsystemforschung“ organisiert. Kontakt Forschungsnetzwerk Leibniz-Forschungsnetzwerk ‚Integrierte Erdsystemforschung‘ Dr. Henriette John (Koordinatorin des Forschungsnetzwerks) Kontakt am IAP: Dr. Urs Schaefer-Rolffs, Abteilung Modellierung atmosphärischer Prozesse Prof. Dr. Claudia Stolle, Institutsdirektorin

10.11.2022 , Nachrichten

Neues Gerät soll Mesosphären-Messung über Nordnorwegen verbessern

433 Antennen umfasst ein großes Radarfeld, das das Kühlungsborner Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik (IAP) in Nordnorwegen betreibt. Von der Insel Andoya aus führt das System MAARSY (Middle Atmosphere Alomar Radar System) vor allem Messungen in der Mesosphäre im Bereich zwischen 50 und 90 Kilometern Höhe durch. Um diese Messungen zu ergänzen, ist jetzt ein großer Laster von den Niederlanden im Norden angekommen. An Board befindet sich ein Container voll hochmoderner Technik: Ein Empfänger samt Antennen mit LOFAR-Technologie, die in der Radioastronomie bewährt ist und von der niederländischen Firma Astrotec Holding hergestellt wird. Ziel des Projekts mit dem Namen MAARSY3D ist es, die Beobachtungen vom bisherigen System zu ergänzen. So misst MAARSY fast ausschließlich in einer monostatischen Konfiguration, um Parameter entlang des Radarstrahls zu messen. Der neue Empfänger soll künftig auf einer benachbarten Insel auch schräge (bistatische) Messungen durchführen können. „Wir werden zusätzlich mit einer vergleichbaren Empfangsanlage in Kilpisjärvi/Finnland (KAIRA, Sodankylä Geophysical Observatory) zusammenarbeiten und wollen mit MAARSY hochaufgelöste 3D-Messungen von Zielen in der Mesosphäre erstellen“, sagt Prof. Dr. Jorge Chau, Leiter der Abteilung Radarsondierungen am IAP. „Das wird auch zur Untersuchung der räumlichen Unregelmäßigkeiten der Atmosphäre und damit der beobachteten Tracer beitragen.“ Das Gerät führt seit dieser Woche bei MAARSY erste Versuche durch. Mitte 2023 kommt es auf die Insel Langoya, etwa 60 Kilometer von Andoya entfernt. Langfristig könnte eine weitere Station das 3D-System vervollständigen.

27.10.2022 , Nachrichten

EU-Förderung: Forscher sagen Wetter im Weltraum voraus

Forscher des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) in Kühlungsborn beteiligen sich an einem gewichtigen Projekt. Dank EU-Geldern tüfteln sie in einem Verbundprojekt zwei Jahre lang an neuen Modellen, um wandernde Störungen in der Atmosphäre besser vorhersagen zu können.  T-FORS (Traveling Ionospheric Disturbance Forecasting System) heißt das mit rund 82.000 Euro geförderte Projekt aus dem Programm Horizon Europe der Europäischen Union, an dem sich die IAP-Abteilung Radarsondierung unter Leitung von Prof. Dr. Jorge Chau beteiligt. In den kommenden Monaten erforschen die Wissenschaftler gemeinsam mit neun Partnern aus ganz Europa wandernde ionosphärische Störungen. „Diese Störungen werden entweder durch solaren Antrieb oder durch Wetterphänomene in der unteren Atmosphäre hervorgerufen. Sie wirken sich direkt auf die Ausbreitung hochfrequenter Radiowellen in der Ionosphäre aus", sagt Dr. Sivakandan Mani, der das Forschungsprojekt am IAP leitet. „Die Störungen, die wir messen, werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst wie geomagnetischen Störungen und der Dynamik in der Atmosphäre. Wenn wir die Entstehung und Ausbreitung dieser Variablen besser verstehen, können wir frühzeitige Vorhersagen und Warnungen treffen." Dafür arbeitet das internationale Forscherteam im Rahmen des Projekts unter anderem mit der Deutschen Bundespolizei zusammen. Jens Mielich betreut das Projekt vom IAP-Außenstandort in Juliusruh auf Rügen aus. „Am Ende sollen Vorhersagen in Echtzeit möglich sein, die auch von der Europäischen Weltraumorganisation genutzt werden können“, sagt er.

06.09.2022 , Nachrichten

Junge Forscherin erzielt 2. Platz in Paper-Award

Kühlungsborn, 29. September 2022 Dr. Priyanka Ghosh hat am 29. September bei der diesjährigen Kleinheubacher Tagung in Miltenberg (Bayern) einen „Young Scientist Award“ gewonnen sowie den zweiten Platz des „Young Scientist Best Paper Awards“ belegt. Sie hatte sich mit einem Beitrag über troposphärische Windmessungen beworben, die mit dem Radar-System MAARSY über Andøya in Norwegen gemessen wurden („Spectral characteristics of the wind fluctuations over Andøya, Norway using MAARSY“). Der „Young Scientist Award“ wird jährlich an bis zu zehn junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, deren Arbeit sich durch ein hohes Maß an Originalität und Klarheit auszeichnet. Die besten drei Arbeiten werden zusätzlich mit dem „Young Scientist Best Paper Award“ geehrt. In ihrem Artikel erläutert Ghosh eine Studie über die spektralen Eigenschaften von Schwankungen der Winde in der Troposphäre und der unteren Stratosphäre, die während der Jahre 2017 bis 2020 gemessen wurden. Bei der Auswertung der Daten wurden verschiedene Frequenzen, Höhen, Jahreszeiten und Jahre berücksichtigt. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die horizontalen und vertikalen Winde von all diesen Parametern abhängen und von ihnen beeinflusst werden. So ist beispielsweise der horizontale Wind im Sommer schwächer als in den anderen Jahreszeiten. Die neuen Ergebnisse dieser Studie können in Modellsimulationen zur Verbesserung der Wettervorhersage einfließen. Das Projekt, über das Ghosh in ihrem Paper berichtet, wurde teilweise von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Der „Young Scientist Award“ ist mit 250 Euro, der 2. Platz im „Young Scientist Best Paper Award“ ist mit 500 Euro dotiert.

06.09.2022 , Nachrichten

Erkenntnisse über die Atmosphäre: Auszeichnung für Kühlungsborner Institut

Kühlungsborn, 12. Oktober 2022 Für ihren Blick in den Sternenhimmel wurde jetzt die Direktorin des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn geehrt. Prof. Dr. Claudia Stolle ist Preisträgerin der international anerkannten Auszeichnung William B. Hanson Lecture der Amerikanischen Geophysikalischen Vereinigung. Der Preis wird jährlich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der ganzen Welt vergeben, die sich im Bereich der Weltraumphysik verdient gemacht haben. „Unsere Atmosphäre ist wahnsinnig faszinierend“, so Claudia Stolle. „Die oberen Schichten nehmen großen Einfluss auf unser Wetter, den Weltraum und das Magnetfeld der Erde – und andersherum. Diese Wechselwirkungen zu erforschen und nach neuen Erkenntnissen zu suchen, reizt mich sehr.“ Um ihre Forschung zu stützen, bedient sich Stolle innovativer Technik wie hochmoderner Lidar-Laser, Radare und Satelliten. Aktuell beschäftigt sie sich damit, wie sich das Wetter in der Stratosphäre und Mesosphäre auf das Weltraumwetter auswirkt.      Stolle hat in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn zahlreiche Projekte in der Atmosphärenforschung geprägt. So war sie als Expertin an der Entwicklung der Swarm Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA beteiligt, war Sprecherin des Programms Dynamic Earth der Deutschen Forschungsgemeinschaft und forschte in Dänemark und Finnland. Zuletzt leitete sie die Sektion Geomagnetismus am Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam. 2021 hat Claudia Stolle die Leitung des Kühlungsborner Instituts übernommen. Über das Institut Das Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik an der Universität Rostock (IAP) erforscht die Physik der Mesosphäre und unteren Thermosphäre und ist durch nationale und internationale Kooperationen weltweit vernetzt. Es hat seinen Hauptsitz in Kühlungsborn, betreibt eine Außenstelle in Juliusruh und beteiligt sich maßgeblich am Alomar-Observatorium in Nordnorwegen. Etwa 70 Personen sind am Institut beschäftigt, das es inzwischen seit 30 Jahren gibt.  

06.09.2022 , Nachrichten

Hoch hinaus: Schülerinnen erleben Wissenschaft hautnah

Kühlungsborn, 18. Oktober 2022 Forschung hat ein Gleichstellungsproblem. Nach wie vor dominieren Männer Berufe in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kurz MINT. Um das zu ändern, möchten der Berliner Verein MINT EC und die Universität Frankfurt am Main interessierte Mädchen mit dem wissenschaftlichen Arbeiten vertraut machen. Dafür sind jetzt neun Schülerinnen aus ganz Deutschland an das Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik (IAP) nach Kühlungsborn gereist, um sich zwei Tage lang als Forscherinnen auszuprobieren. Die Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren erkundeten das Institut an der Ostsee und erhielten einen Einblick in den Arbeitsalltag in der Atmosphärenforschung. Gestandene Physikerinnen und Physiker berichteten vom Weg in die Wissenschaft und machten die Schülerinnen mit den hochmodernen Techniken des Instituts vertraut. „Physik ist so faszinierend, weil wir sie in allen Lebensbereichen wiederfinden“, sagt Lara, die die 12. Klasse einer Schule in Rheinland-Pfalz besucht. Nach dem Abitur möchte sie Physik studieren. „Wir können damit unglaublich viel erklären und trotzdem gibt es noch so viele offene Fragen. Sehr interessant.“ In Kühlungsborn konnten die Schülerinnen auch selbst Hand anlegen: Mit Hilfe von Ballons mit einem Durchmesser von zwei Metern schickten sie Wettersonden aus, die bis in 38 Kilometern Höhe Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit maßen. Die Daten wurden per Funk an das Institut gesendet und von den Mädchen ausgewertet. „Wir am IAP erforschen mit bodengestützten Messinstrumenten wie Radaren oder Lidaren die mittlere Atmosphäre“, sagt Dr. Michael Gerding, der in der Abteilung Optische Sondierung arbeitet und das Projekt begleitet. „Die Ballons, die die Schülerinnen ausgesendet haben, liefern uns dafür ergänzende Messdaten.“ Der Ausflug der Schülerinnen nach Mecklenburg-Vorpommern ist Teil des Forschungsprojekts MS-GWaves, an dem sich das IAP beteiligt. Ziel des Vorhabens ist es, die internen Schwerewellen in der Atmosphäre besser verstehen zu können, um dadurch Prognosen für Wettervorhersagen und Klimawandel verlässlicher zu machen. Rund 70 Mitarbeitende in Forschung, Technik und Verwaltung fasst das Kühlungsborner Institut. Etwa 20 von ihnen sind weiblich. Damit dieser Anteil in Zukunft steigt, gibt es ein Gremium für Gleichstellung, das in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht hat wie familienfreundliche Homeoffice-Regelungen oder Gleitzeit. Seit 2014 trägt das Institut das bundesweit vergebene Qualitätssiegel „berufundfamilie“. „Wir freuen uns über mehr Frauen in der Forschung“, sagt Prof. Dr. Claudia Stolle, die seit einem Jahr das IAP leitet. Und wer weiß – vielleicht gibt es irgendwann ein Wiedersehen mit einer jungen Rheinländerin.

06.09.2022 , Nachrichten

Bürger helfen Wissenschaft: Kühlungsborner Institut forscht in Nordnorwegen

Kühlungsborn, 24. Oktober 2022 Auf dem weiten Acker von Alert Kristian Gaard in Salangen steht eine einzelne Antenne. Ein bisschen verloren sieht sie aus und doch dient sie einem bedeutenden Zweck: Etwa 20 Meter vom Haus des Norwegers entfernt, empfängt sie ununterbrochen Signale aus 90 Kilometern Höhe. Sie ist eines von vier neuen Geräten, die Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn jetzt in Nordnorwegen installiert haben. Ziel des Projekts mit dem offiziellen Namen SIMONe Norway ist es, Reflektionen an Meteorspuren zu messen und so Informationen über horizontale Winde in der Atmosphäre zu erhalten. „Unser Konzept ist weltweit einzigartig“, sagt Prof. Dr. Jorge Chau, der die Abteilung Radarsondierung des Instituts leitet. „Übliche Radare können nur Meteore erkennen, die ihre Signale direkt an den Sende-Empfangs-Standort zurückwerfen. Wir haben dieses Prinzip erweitert und die Interferometrie umgedreht.“ Das Team um Chau entwickelte neue, kleinere Empfangsgeräte, die nur eine Antenne benötigen und schnell und kostengünstig installiert werden können. Dadurch können die Forscher deutlich mehr Meteore erfassen – je nach Standort und Jahreszeit etwa 1.500 pro Stunde. Vier Stunden hat es gedauert, um Antenne und Empfänger auf dem Grundstück von Alert Kristian Gaard einzurichten. „Es ist großartig, dass sich Privatpersonen an unserer Forschung beteiligen, die normalerweise nichts mit Wissenschaft zu tun haben“, sagt Dr. Ralph Latteck vom Institut, der die Einrichtung der vier norwegischen Stationen koordiniert hat. „Alles, was wir brauchen, ist ein kleines Fleckchen nicht bewirtschaftetes Farmland und eine Steckdose für den Empfänger. Schon kann es losgehen.“ Das Kühlungsborner Institut erforscht die mittlere Atmosphäre und beteiligt sich maßgeblich am ALOMAR-Observatorium in Norwegen. Die ersten SIMONe-Stationen hat das Team 2018 in Argentinien und Peru eingerichtet. Im letzten Jahr folgten dann Geräte in Nordnorwegen. Durch die Winde, die mit dem System gemessen werden, erhalten die Forscher Informationen über Bewegungen in der Mesosphäre. „Damit können wir die Windbestimmung verbessern“, so Latteck. Da sich das System unkompliziert erweitern lässt, planen die Forscher weitere Stationen, um möglichst viel Himmel abzutasten. Im Februar 2023 erhalten die Antennen dann besondere Aufmerksamkeit: Ihre Messdaten unterstützen die internationale Raketenkampagne Vortex in Norwegen, die Teil des Höhenforschungsraketenprogramms der NASA ist.