NLC und Hintergrundatmosphäre

In den letzten Jahren ist das Verständnis von der Entstehung von NLC insbesondere in polaren Breiten stetig gewachsen. Aktuelle Arbeiten beschäftigen sich mit dem Einfluss der umgebenden Atmosphäre auf die NLC, aber auch umgekehrt damit, was man aus dem Auftreten von NLC über die Atmosphäre im Allgemeinen (Wind, Temperatur, Wasserdampfgehalt) aussagen kann. Dies erweitert z.B. die Interpretation der schon rund 130 Jahre andauernden visuellen NLC-Beobachtungen.

Für Kühlungsborn steht ein mehrjähriger, weltweit einmaliger Datensatz simultaner Lidar- und Radar-Messungen von NLC sowie Temperaturen und Wind in NLC-Höhe zur Verfügung. Die Jahr-zu-Jahr-Variation zeigt einen sehr viel deutlicheren Zusammenhang mit der Sonnenaktivität (d.h. dem Wasserdampfgehalt), als aus polaren Breiten bekannt. Dies kann dadurch erklärt werden, dass Kühlungsborn am südlichen Rand des NLC-Gebiets liegt und damit äußere Einflüsse auf die NLC hier deutlicher zu Tage treten. Außerdem zeigt sich – zumindest bei geringer Sonnenaktivität - ein direkter Zusammenhang zwischen kalten Jahren und hoher NLC-Rate bzw. geringer Schwerewellen-Aktivität und hoher NLC-Rate.

Betrachtet man dagegen nur einen einzelnen Tag, so hat die Temperatur (genauer: die Temperaturgezeit) keinen wesentlichen Einfluss auf das Auftreten von NLC, wie erstmals durch Messungen von NLC und Temperaturen bei Tag und Nacht gezeigt werden konnte. Die tageszeitliche Variation von NLC ist vor allem durch den Wind beeinflusst, der die NLC-Partikel aus polaren Breiten herantransportiert. Weitere Untersuchungen zum Einfluss der Gezeiten auf NLC sind hier beschrieben.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Gerding, M., J. Zöllner, M. Zecha, K. Baumgarten, J. Höffner, G. Stober and F.-J. Lübken, Simultaneous observations of NLC and MSE at midlatitudes: Implications for formation and advection of ice particles, Atmos. Chem. Phys., 18, 15569–15580, doi: 10.5194/acp-18-15569-2018, 2018
  • M. Gerding, J. Höffner, P. Hoffmann, M. Kopp und F.-J. Lübken, Noctilucent cloud variability and mean parameters from 15 years of lidar observations at a mid-latitude site (54°N, 12°E), J. Geophys. Res., doi:10.1029/2012JD018319, 2013.
  • M. Gerding, M. Kopp, P. Hoffmann, J. Höffner und F.-J. Lübken, Diurnal variation of midlatitude NLC parameters observed by daylight-capable lidar and their relation to ambient parameters, Geophys. Res. Lett., 40, 6390-6394, doi:10.1002/2013GL057955, 2013.

Ansprechpartner

Dr. Michael Gerding